Sonderpädagogisches Beratungs-und Förderzentrum

Anstelle eines Vorworts

Die vorliegende Konzeption unserer Schule ist in einer Zeit entstanden,

in der eine der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrisen erhebliche

soziale Auswirkungen in Deutschland, in Europa und weltweit zur Folge hat.

Dabei verändert die Krise  gesellschaftliche Strukturen und Lebenswelten, auch durch die Kürzung der Sozial- und Bildungsausgaben. Diese Veränderungen lassen sich  unter folgenden Überschriften skizzieren: Prekarisierung und Flexibilisierung, Beschleunigung und Vereinzelung, Angst vor sozialem Abstieg und  Gefährdung des sozialen Friedens. Diese sozio-ökonomischen Entwicklungen betreffen selbstverständlich auch Schule und den Bildungssektor. Als Rahmenbedingung fließen sie in die Konzeption unserer Schule ein.

Gleichzeitig wurde durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtsskonvention die Gleichstellung aller Menschen gefordert. Diese ist unter dem Begriff Inklusion vor allem von der Bildungspolitik aufgenommen worden und zog zahlreiche einschneidende schulrechtliche Veränderungen nach sich.

Schule ist der Ort, an dem Bildung und Erziehung institutionell verfasst sind und damit ein Spiegel gesellschaftlicher sowie politischer Trends, Entwicklungen, aber auch Verwerfungen. Für das pädagogische Handeln ergibt sich damit ein „doppeltes Mandat“: einerseits den sozialen Auftrag, die Regeln und Rollenzuschreibungen der Organisation zu übernehmen, andererseits sich in der Begegnung mit den Schülern auf deren Sinn- und Deutungswelten einzulassen.

Wir sind uns bewusst, dass sich unsere Schule in grundsätzlichen Spannungsfeldern schulischer Bildung bewegt; diese liegen zwischen den Polen Freiheit und Zwang, Integration und Separation, Vielfalt und Gleichheit nicht zuletzt Wirklichkeit und Utopie. Diese werden durch die aktuellen schulpolitischen und schulrechtlichen Änderungen potenziert. Versuchte man diese zugunsten der einen oder anderen Seite aufzulösen, bestünde entweder die Gefahr des resignativen Rückzugs auf das scheinbar Unvermeidbare oder der illusionären Überschätzung der eigenen Gestaltungsmöglichkeiten.

In unserer pädagogischen Arbeit geht es uns nicht darum, diese Widersprüche aufzulösen, sondern darum, sie durch einen reflexiven Umgang aushalten und produktiv bzw. kreativ nutzen zu können. Denk- und handlungsleitend sind für uns dabei immer die Entwicklung förderlicher Erziehungs- und Bildungsbedingungen in Zusammenarbeit mit Regelschullehrkräften, Eltern sowie außerschulischen Unterstützungssystemen. Dies gelingt nur, wenn bestehender Effektivitäts- und Innovationsdruck immer wieder genommen werden kann: durch gesicherte Spielräume des Nachdenkens und Verstehens, auf der Grundlage eines stabilen und langfristigen Beziehungsrahmens.

Die Entscheidung für diesen reflexiven Umgang mit Widersprüchen schließt somit die Arbeit mit Methoden, Unterrichtsformaten und Theorien aus, die ausschließlich Geltung beanspruchen. So stellt sich auch für unsere Schule immer wieder die Aufgabe des gemeinsamen Lernens unter Bedingungen fachlicher und theoretischer Heterogenität.

Auf der Grundlage dieser Gedanken ist in lebendiger Auseinandersetzung mit unterschiedlichen kollegialen Gruppen und Schulleitung ein komplexes Bild unserer Institution und ihrer Aufgabenfelder entstanden.

Unsere Konzeption ist der Versuch, die innere Logik unserer Schule und ihre Einzigartigkeit dazustellen, indem sie den kleinsten gemeinsamen Nenner des vielfältigen theorie- und praxisbezogenen Wissens unseres Kollegiums darstellt und ein übergreifendes Verstehen des Auftrags und der Umsetzung des institutionellen Auftrags ermöglichen will.

Denkt man Helmut Reisers Sentenz, dass „Gemeinsames Lernen Differenz fördert“ konsequent zu Ende, so muss es sich dabei um das gute Ergebnis eines annehmenden Lernprozesses handeln, der vorbehalt- und kompromisslos alle Menschen mit ihren Stärken und Schwächen einbezogen hat.

Bausteine