Sonderpädagogisches Beratungs-und Förderzentrum

A) Strukturdaten

 

1. Allgemeines

Die Dezentrale Förderschule für Erziehungshilfe und Kranke (DFE) hat im sechsten Jahr ihre Arbeit beständig weiterentwickelt und ausgebaut. Der Sitz der Schule befindet sich weiterhin im Kreishaus in Dietzenbach.

Wie im Schulentwicklungsplan des Kreises Offenbach vorgesehen, arbeitet die Schule dezentral mit Erziehungshilfe-Schüler/innen je nach Bedarf grundsätzlich an allen Schulen im Kreisgebiet. Der im Jahre 2004 geschlossene und zunächst auf 5 Jahre angelegte Kooperationsvertrag zwischen dem Kreis Offenbach und dem Staatlichen Schulamt wird unverändert fortgesetzt.

Die Förderschule baute im Berichtsjahr ihre Arbeit weiter aus, wuchs allerdings nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. Die Zuordnung der präventiv tätigen Lehrkräften („Kleinklassen für Erziehungshilfe“) in elf allgemeinen Schulen bewährte sich im vierten Jahr.

Die diesjährige Statistik für die Schüler/innen in kooperativer Förderung nach § 53 (3) HSchG wurde zum dritten Mal mit der Lehrer- und Schüler-Datenbank (LUSD) erstellt.

Nach der Anerkennung als BFZ im Vorjahr startete das sonderpädagogische Beratungs- und Förderzentrum mit dem Schwerpunkt Erziehungshilfe im Kreis Offenbach seine Arbeit.

 

2. Personelle Ressourcen

Im Schuljahr 2009/2010 vergrößerte sich das Kollegium auf insgesamt 38 Mitarbeiter/innen auf 28,7 Stellen, im vorigen Schuljahr waren es 34 Mitarbeiter/innen auf zusammen 26 Stellen, dies entspricht einer Steigerung um ca. 10 %.

Der Anteil der Jugendhilfefachkräfte im Dienst des Kreises Offenbach umfasste wie bisher zusätzlich 4 Mitarbeiter/innen auf 3 Stellen.

Das Staatliche Schulamt stellte somit weiterhin den größten Anteil der personellen Ressourcen.

Von den insgesamt 42 Förderpädagogen/innen (Ressourcen des Landes Hessen und des Kreises Offenbach zusammengefasst) waren 15 Förderschullehrer/innen, 22 Dipl.-Sozialpädagogen/innen oder Diplom-Pädagogen/innen, 2 Diplom-Kunsttherapeuten/innen, 1 Kinderkrankenschwester, 1 Diplom-Reittherapeutin, 1 Diplom-Politologe.

Die Arbeit wurde in vier Teams  (Team Ost / Rodgau / Dietzenbach / West) organisiert, die Kleinklassenlehrkräfte trafen sich ebenfalls regelmäßig als Präventions-Team.

Das Kollegium bestand aus 14 männlichen und 24 weiblichen Mitarbeiter/innen.

Die Kreisverwaltung stellte weiterhin eine Schulsekretärin auf halber Stelle der DFE für die Verwaltung der Schule zur Verfügung.

Die Stelle des/r Konrektors/in war ab 01.02.2010 unbesetzt.

 

3. Räumliche und sächliche Ressourcen

Im Kreishaus standen wie bisher zwei voll ausgestattete Büroräume für die Verwaltungskraft und die Schulleitung zur Verfügung, ebenso ein Arbeitszimmer für Lehrkräfte und ein fester Besprechungsraum in direkter räumlicher Nähe zum Schulleitungsbüro. Dazu kam ein weiteres Büro im Kreishaus für Lehrkräfte, allerdings nicht in der Nähe der anderen Büros.

Weitere zwei Büros nutzen die Mitarbeiter/innen der Jugendhilfe des Kreises Offenbach. Für Konferenzen konnte die DFE weiterhin auf Konferenz- und Besprechungsräume, die bei Bedarf gebucht werden, sowie auf den kreishausinternen Service (IT, Hausmeister, Reinigungskräfte) zurückgreifen. Allerdings zeigte sich auch in diesem Jahr, dass es bei der Nutzung von großen Konferenzräumen es zu Doppelbelegungen kam, Räume ausgebucht waren und Konferenzen daher ausfallen mussten. Es fehlten vor allem jedoch geeignete Räumlichkeiten für Supervision oder Einzelunterricht für Schüler/innen, die aus pädagogischen Gründen kurzfristig nicht in ihren Regelschulen beschult werden konnten.

Der Fachdienst Schulservice stellte ein Budget für Sachmittel für die laufende Arbeit zur Verfügung, ebenso konnte ein Etat für Lehr- und Lernmittel des Staatlichen Schulamtes für den Unterricht der Förderschüler eingesetzt werden.

Die eigentliche Förderarbeit mit den Schüler/innen, Eltern oder die kollegiale Beratung mit Lehrkräften fand in den  Räumlichkeiten der kooperierenden Regelschulen statt. Für Einzelarbeit oder Gespräche sind diese nicht immer optimal eingerichtet. Zum Teil konnte auf Räume in Förderschulen zurückgegriffen werden (für AG´s), z.T. mussten jedoch auch Räumlichkeiten angemietet werden (z.B. im Haus des Ehrenamtes in Dietzenbach).

 

4. Schülerzahlen

Im Berichtsjahr ist es erneut gelungen, die Förderung nahezu aller im Kreis Offenbach wohnenden Schülerinnen und Schüler mit festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf Erziehungshilfe oder im Sinne der Schule für (seelisch) Kranke durch die DFE zu sichern. Neben dem Angebot der DFE werden einige Kinder und Jugendliche wie in den Vorjahren als Schüler/innen im gemeinsamen Unterricht an Grund- und Regelschulen im Kreis Offenbach geführt und von Lehrkräften dieser Regelschulen gefördert. Hier gibt es vereinzelte Beratungskontakte.

Die DFE förderte zum Stichtag (02.10.2009) 97 Schüler/innen im Rahmen der Kooperativen Förderung und 24 Schüler/innen im Gemeinsamen Unterricht an Regelschulen, insgesamt also 121 Schüler/innen (Vorjahr: 114 Schüler/innen).

Dazu kamen 297 Beratungs- und Förderungsaufträge im Rahmen des neuen sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentrums für Erziehungshilfe, davon waren 148 Kurzberatungen (bis zu 3 Monaten), weitere 61 Fälle bis zu 9 Monaten, 88 Schüler/innen wurden über das ganze Schuljahr gefördert, bzw. ihre Lehrkräfte und Eltern beraten.

Insgesamt konnten im laufenden Schuljahr 15 Fördermaßnahmen der Kooperativen Förderung beendet und fließend neue begonnen werden. 4 Schüler/innen zogen aus anderen Schulamtsbezirken in den Kreis Offenbach oder wurden als Eilfälle, z.B. nach Klinikaufenthalten, aufgenommen.

Von den geförderten Schüler/innen waren ca. 97 % Jungen, nur 3 % Mädchen.

Etwa die Hälfte aller EH-Schüler/innen besuchen jeweils die Grundschule und die Sekundarstufe, dies entspricht den Zahlen des Vorjahres. 

Im Rahmen der sonderpädagogischen Überprüfungen wurden von der DFE im Berichtszeitraum  45 sonderpädagogische Gutachten übernommen, d.h. deutlich weniger als im Vorjahr (-14 Gutachten), das waren alle im Kreis Offenbach anfallenden Überprüfungsaufträge im Bereich Erziehungshilfe. Davon wurden 32 Gutachten mit der Empfehlung der Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs Erziehungshilfe abgeschlossen. In 11 Fällen wurde ein sonderpädagogischer Förderbedarf nicht empfohlen, in zwei Fällen wurde durch Eltern Widerspruch eingelegt.

In acht Fällen wurde ein vorübergehendes Ruhen der Schulpflicht beantragt, da diese Jugendlichen eine massive Gefährdung für sich selbst oder für die Schulgemeinschaft darstellten. Es lag meist eine schwere seelische Erkrankung oder eine massive delinquente Entwicklung vor, die nicht mehr mit ambulanten Maßnahmen aufzuhalten war. Alle acht Jugendliche wurden anschließend in kinder-/jugendpsychiatrische Einrichtungen oder in stationäre Jugendhilfemaßnahmen untergebracht.

Am Ende des Schuljahres konnte bei 15 Schülerinnen und Schülern (= ca. 12 %) der sonderpädagogische Förderbedarf aufgehoben werden.

Bei weiteren 28 Fällen konnte die Arbeit beendet werden: 2 Schüler/innen wechselten an Förderschulen für Lernhilfe, 7 Schüler/innen an stationäre Förderschulen für Erziehungshilfe, 14 Schüler/innen wurden im Rahmen von stationären Erziehungshilfen wohnortfremd untergebracht und 4 Schüler/innen zogen mit ihren Familien aus dem Kreis Offenbach fort. Somit konnten zum Ende des Jahres insgesamt 43 Fälle, also etwa 30 % der Fallzahlen, beendet werden.

 

5. Schulbezogene Projekte

An folgenden Schulen wurden schulbezogene präventive Förderung („KLeinklasse für Erziehungshilfe“)  angeboten:

–        Gartenstadtschule, Rodgau

–        Johannes-Gutenberg-Schule, Hainburg

–        Aueschule, Dietzenbach

–        Sterntalerschule, Dietzenbach

–        Erich-Kästner-Schule, Dreieich-Sprendlingen

–        Gerhart-Hauptmann-Schule, Dreieich

–        Albert-Schweitzer-Schule, Langen

–        Joseph-von-Eichendorff-Schule, Obertshausen

–        Sonnenblumenschule, Langen

–        Brüder-Grimm-Schule, Mühlheim

–        Hermann-Hesse-Schule, Obertshausen

Mit diesen präventiven Angeboten erreichten wir an 11 Standorten jeweils ca. 30 bis 40  Schüler/innen wöchentlich, insgesamt somit ca. 400 Schülerinnen und Schüler.

Für insgesamt 12 Kollegen/innen wurden  2 Kollegiale Beratungsgruppen angeboten (je 6 Treffen pro Gruppe im Rahmen von akkreditierten Fortbildungen). Hier konnten schulinterne Prozesse erlebt, beobachtet und teilweise mitgestaltet, pädagogische Angebote und Projekte erprobt und ausgewertet werden.

 

6. Kooperationsschulen

Die DFE arbeitete im Berichtszeitraum mit 47 Kooperationsschulen zusammen, meist im Rahmen unterzeichneter Kooperationsverträge. Somit war die DFE im Berichtszeitraum in etwa 2/3  aller Grund- und SekundarstufeI-Schulen (insgesamt 73) im Kreis OF präsent.

Die Kooperationsschulen verteilten sich recht gleichmäßig auf das Kreisgebiet, nur in Dietzenbach waren es alle ansässigen Schulen (sehr hohe soziale Belastung).

 

 

B) Prozessdaten 

1. Konzeptionelle Arbeit

Die Entwicklung des Schulprogramms stand weiter im Mittelpunkt der inhaltlichen Arbeit in der DFE. An zwei pädagogischen Tagen am 01.10.09 und am 22.6.10 wurde daran gearbeitet. Am pädagogischen Tag im Oktober 2009 beschäftigte sich das Kollegium insbesondere mit der Frage, ob unsere ungewöhnliche Schule einen „üblichen“ Schulnamen erhalten soll. Ergebnis der intensiven Diskussionen mit zahlreichen guten Vorschlägen war, den bisherigen Namen zu behalten, weil so dem besonderen Auftrag am besten Rechnung getragen werden kann. Außerdem wurde betont, dass die Schüler/innen ja schon ihre Stamm-Schule mit einem besonderen Namen besuchen, ein zusätzlicher Schulname wäre also eher der Identitätsfindung der Schüler/innen abträglich.

Die bisherigen Arbeitsvorhaben wurden evaluiert und folgende neue Arbeitsvorhaben beschlossen:

–        Kooperation mit Regelschulen

–        Beratungs- und Förderzentrum Erziehungshilfe.

–        Präventive Methoden

Das bisherige Arbeitsvorhaben „Internet-Seite“ wurde abgeschlossen und als fester Bestandteil  der DFE-Arbeit implementiert.

 

2. Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe-Mitarbeiter/innen und Lehrkräften

In allen vier Teams arbeiteten wie bisher Lehrkräfte des Staatlichen Schulamts mit unterschiedlichen Berufsausbildungen (Förderschulpädagogen/innen, Sozialpädagogen/innen, Grundschullehrer, Kunsttherapeut/in) mit den Jugendhilfe-Kollegen/innen des Kreises Offenbach (Dipl.-Sozialpädagogen/innen mit verschiedenen Zusatzausbildungen) konstruktiv zusammen. Teilweise arbeiteten Kollegen/innen zu zweit, z.B. in der Arbeit mit dem Schüler und in der Beratung der Eltern (im Sinne einer „Segmentierung“), wobei die Koordination und Zusammenführung der Arbeit in den Fallbesprechungen und Supervisionen der regionalen Teams geleistet wurde.

Die täglich praktizierte und hoch effektive Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Schule ist ein tragendes Element der Schulkultur, ohne die die Arbeit der DFE nicht vorstellbar wäre.

 

3. Zusammenarbeit mit Regelschulen

Die Zusammenarbeit mit den Regelschulen ist fast immer von gegenseitigem Vertrauen und den gelungenen gemeinsamen Arbeitserfahrungen in den bisherigen Kooperationen geprägt. In drei Fällen war es aus pädagogischen Fällen sinnvoll, dass Schüler die Schule wechselten. Hier  konnten einvernehmlich neue Schulen gefunden und die Schüler im Übergang begleitet werden.

Die Regelschulen akzeptieren und schätzen den fachlichen Blick und den manchmal  ungewöhnlichen Förderansatz in der schulischen Erziehungshilfe. Gemeinsame Erfolge in der Förderung oder konstruktiv gelöste Konflikte festigten die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

 

4. Interne Beratungs- und Gesprächsstruktur

Im Schuljahr gab es wie im Vorjahr folgende interne Reflexions- und Diskussionsstruktur:

Pro Team eine Fallbesprechung pro Woche, eine Gesamtkonferenz einmal pro Monat mit den Schwerpunkten gegenseitige Information und interne Fortbildung, ebenfalls monatlich Besprechungen des Jugendhilfe-Teams abwechselnd alleine mit der Schulleitung und gemeinsam mit der Fachkraft für Projektsteuerung und der Schulleitung. Daneben hatte jedes Team Gruppensupervisionen (acht pro Jahr) ohne die Schulleitung mit einem/r externen Supervisor/in.

 

5. Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst des Kreises Offenbach (ASD) und Freien Trägern der Jugendhilfe

Mit dem ASD wurde sehr eng und gut zusammen gearbeitet. Konflikte konnten immer konstruktiv gelöst werden. Der Anteil der Fälle, in denen der Allgemeine Soziale Dienst beteiligt war, erhöhte sich etwas auf etwa 63 % (Vorjahr: 50 %).

In etwa 37 % aller Fälle war nur die DFE als erzieherische Hilfe (oft auch in den Familien) tätig.

In etwa 11 % war nur der Allgemeine Soziale Dienst des Jugendamts beteiligt.    

In etwa 51 % waren außerdem weitere Institutionen oder Personen beteiligt.

Diese teilten sich wie folgt auf:

16 % Heilpädagogische Initiativen e.V. in Rodgau, Dreieich oder Neu-Isenburg

11 % freie Honorarkräfte, andere Anbieter der Jugendhilfe

10 % Pflegeeltern und Erziehungsstellen

8 %   Theresien-Kinder- und Jugendhilfezentrum in OF und Langen

6 %   IB /SPFH

Im Berichtszeitraum wurden 14 Kinder und Jugendliche stationär im Rahmen von Jugendhilfemaßnahmen untergebracht, zumeist in weit entfernt liegende Einrichtungen (Vorjahr: 8 stationäre Unterbringungen).

Diese Zahl ist im Vergleich zu den Vorjahren etwas höher. Bei allen Unterbringungen handelte es sich um extrem konflikthafte familiäre Verhältnisse, die durch ambulante schulische und außerschulische Hilfen nicht mehr aufgefangen werden konnten.

 

6. Die Arbeit der Koordinierungsstelle

Die Koordinierungsstelle (KOST) zwischen Kreis Offenbach und Staatlichem Schulamt OF passte ihre Arbeit der aktuellen Aufgabenstellung der DFE an. Im Zentrum standen der Informationsaustausch und grundsätzliche konzeptionelle Überlegungen zur Inklusion, ebenso die veränderten Anforderungen in der Jugendhilfe. Die KoST tagte im laufenden Schuljahr dreimal.

 

 

7. Kooperationstreffen

7.1 AG: BFZ-EH

Mit Fachkollegen/innen aus den sechs Beratungs- und Förderzentren des Kreises Offenbach arbeitete die DFE in einer AG zum Thema „Schulische Erziehungshilfe“, die dreimal tagte. Diese Vernetzung mit den BFZ ist sinnvoll, um die Arbeit der DFE transparent zu machen und sich gegenseitig fortzubilden. Im Mittelpunkt standen der Erfahrungsaustausch und eine regelmäßige kollegiale Fallberatung.

 

7.2 Austausch mit der Erziehungshilfe-Abteilung der Ludwig-Dern-Schule, Offenbach

Die Kollegen/innen trafen sich dreimal zu fachlichem Austausch. Am Ende des Schuljahrs stand die Ausarbeitung einer neuen Kooperationsvereinbarung für das neue Schuljahr im Mittelpunkt der Arbeit.

 

7.3 Weiterentwicklung der fachlichen Arbeit

Ab Februar 2010 wurden erste Überlegungen zum neuen Hessischen Schulgesetz bekannt. Diese geplanten Veränderungen prägten unsere internen und externen Diskussionen und führten zu einer stärkeren Identitätsfindung und Profilentwicklung unserer pädagogischen Standrads im Bereich Erziehungshilfe.

 

8. Fortbildung

Neben externen Fortbildungen einzelner Kollegen/innen (z.B. ETEP) organisierte das Kollegium als Referenten/innen untereinander Fortbildungen im Rahmen der Gesamtkonferenz und der Schulprogrammarbeit. Insbesondere Themen aus den Bereichen Inklusion und Standards der Erziehungshilfe-Arbeit standen im Mittelpunkt des Fortbildungsplans.

 

 

C) Ergebnisdaten

Die laufenden und abgeschlossenen Einzel-Fördermaßnahmen im Rahmen der kooperativen Förderung und des gemeinsamen Unterrichts wurden unter folgenden Fragestellungen evaluiert:

 

1.   Wie hoch ist die Zufriedenheit der Lehrkräfte der DFE

in Bezug auf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

völlig zufrieden

oft zufrieden

geht so

eher schlecht

unzufrieden

völlig unzufrieden

Fortschritte des/r Schülers/in im emotionalen und sozialen Bereich

31 %

41 %

20 %

5 %

3 %

0 %

Zusammenarbeit mit Regelschulen und Lehrkräften

41 %

39 %

13 %

3 %

4 %

0 %

Rahmenbedingungen der Arbeit

31 %

41 %

18 %

6 %

4 %

0 %

sonstiges

 

 

 

 

 

 

 

2.   Wie hoch ist die Zufriedenheit der kooperierenden Klassenlehrkräfte der Regelschulen

in Bezug auf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

völlig zufrieden

oft zufrieden

geht so

eher schlecht

unzufrieden

völlig unzufrieden

Fortschritte des/r Schülers/in im emotionalen und sozialen Bereich

24 %

44 %

25 %

4 %

2 %

1 %

Zusammenarbeit mit Förderlehrkräften der DFE

77 %

15 %

7 %

0 %

1 %

0 %

Rahmenbedingungen der Arbeit

29 %

39  %

25 %

4 %

0 %

3 %

sonstiges

 

 

 

 

 

 

 

Der Rücklauf der anonymisierten Fragebögen betrug bei den DFE-Förderlehrkräften 77 % (N=93 von 121), bei den Klassenlehrkräften 58 % (N=70 von 121).

Viele Lehrkräfte nutzten die Rubrik „sonstiges“ zu persönlichem, überwiegend positivem  Feedback. Wie bereits im Vorjahr wurden die Zusammenarbeit mit konkreten Personen und individuelle Fallverläufe sehr wertschätzend und mit Dank zurückgemeldet. Als Kritik wurden mangelnde Ressourcen (z.B. der Wunsch nach mehr Stunden in der Klasse mit Doppelbesetzung, Verteilung der Förderstunden auf alle Unterrichtstage pro Woche) benannt.

Auch wenig förderliche Rahmenbedingungen (z.B. die fehlende Unterstützung von Schulleitung und Kollegen/innen der Regelschulen) wurde vereinzelt benannt. In zwei Rückmeldungen wurden die Kürze und die Form der Evaluation kritisiert, hier besteht offensichtlich Veränderungsbedarf.

 

Die Auswertung des Feedbacks zeigt eine hohe, größtenteils übereinstimmende  Zufriedenheit der Förder- und Klassenlehrkräfte zur Frage der Entwicklung der Schüler/innen, wobei die Beurteilung aus Sicht der Klassenlehrkäfte etwas negativer ausfällt:

 

völlig zufrieden

oft zufrieden

geht so

eher schlecht

unzufrieden

völlig unzufrieden

Fortschritte des/r Schülers/in im emotionalen und sozialen Bereich / Förderlehrkräfte DFE

31 %

41 %

20 %

5 %

3 %

0 %

Zum Vergleich: Fortschritte Schüler/in

Einschätzung Fö-Lk /  Vorjahr

25 %

49 %

18 %

4 %

2 %

2 %

Fortschritte des/r Schülers/in im emotionalen und sozialen Bereich Klassenlehrkräfte

24 %

44 %

25 %

4 %

2 %

1 %

Zum Vergleich: Fortschritte Schüler/in

Einschätzung KL  / Vorjahr

24 %

37 %

25 %

3 %

7 %

4 %

 

Die Rückmeldungen zur Kooperation mit der jeweils anderen Berufsgruppe unterschieden sich dagegen deutlicher, diese Frage wird interessanter Weise von den Lehrkräften der DFE teilweise kritischer beantwortet:

 

völlig zufrieden

oft zufrieden

geht so

eher schlecht

unzufrieden

völlig unzufrieden

Zusammenarbeit zwischen Klassen- und Förderlehrkräften /

aus Sicht der Förderlehrkräfte

41 %

39 %

13 %

3 %

4 %

0 %

Zum Vergleich: Zusammenarbeit KL-FöLk

Einschätzung der Fö-Lk / Vorjahr

41 %

28 %

20 %

6 %

4 %

0 %

Zusammenarbeit zwischen Klassen- und Förderlehrkräften /

aus Sicht der Klassenlehrkräfte

77 %

15 %

7 %

0 %

1 %

0 %

Zum Vergleich: Zusammenarbeit FL-KL

Einschätzung der KL / Vorjahr

73 %

23 %

3 %

0 %

1 %

0 %

 

Die Zufriedenheit mit den Rahmenbedingungen der Arbeit unterschied sich nur im Detail, nicht in der Tendenz.

 

völlig zufrieden

oft zufrieden

geht so

eher schlecht

unzufrieden

völlig unzufrieden

Rahmenbedingungen der Arbeit /

aus Sicht der Förderlehrkräfte

31 %

41 %

18 %

6 %

4 %

0 %

Zum Vergleich: Rahmenbedingungen Einschätzung FöLk / Vorjahr

41 %

31 %

19 %

8 %

0 %

0 %

Rahmenbedingungen der Arbeit /

aus Sicht der Klassenlehrkräfte

29 %

39 %

25 %

4 %

0 %

3 %

Zum Vergleich: Rahmenbedingungen Einschätzung KL / Vorjahr

17 %

36 %

35 %

7 %

1 %

0 %

 

 

Besonders hervorgehoben werden darf die übereinstimmend hohe positive Beurteilung der Entwicklung der Schüler/innen im emotionalen und sozialen Bereich. Die Förderlehrkäfte beurteilen zu 92 % die Fortschritte ihrer Schüler als insgesamt sehr gut bis befriedigend, die Klassenlehrkäfte sehen diese Entwicklungen ebenso zu 93 % im positiven Bereich.

Interessant bei der Auswertung der einzelnen Bögen war wie im Vorjahr, dass bei einer vereinzelten Unzufriedenheit über die Entwicklung der Schüler/innen die Zufriedenheit in der Kooperation zwischen Förder- und Klassenlehrkräften doch sehr hoch war. Offensichtlich lassen sich negative Fallverläufe in einer guten Kooperation besser aushalten und miteinander tragen.

 

Die Zusammenarbeit der beiden Berufsgruppen vor Ort wird aus Sicht der Förderlehrkräfte mit 93 % als sehr gut bis befriedigend bewertet, die Sicht der Klassenlehrkräfte entspricht dieser Einschätzung von 99 % ebenfalls mit sehr guten bis befriedigenden Rückmeldungen.

 

Trotz der in öffentlichen Diskussionen zuweilen als nicht ausreichend dargestellten Fördersituation beurteilen sowohl die Förderlehrkräfte der DFE als auch die Klassenlehrkräfte zu 90 %, bzw. zu 93 % die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit als sehr gut bis befriedigend.

 

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass somit eine überwiegend hohe Zufriedenheit mit der Arbeitsweise der DFE besteht.

 

3. Kritische Einschätzung der Evaluation

Die sehr knapp gehaltene Form der anonymisierten Evaluationsbögen hat sich größtenteils wieder bewährt, allerdings meldeten zwei Klassenlehrkräfte zurück, dass sie sich eine ausführlichere Form des Feedbacks wünschen. Dies soll im nächsten Schuljahr als Option ergänzt werden.

Leider war wie im Vorjahr der Rücklauf der Evaluationsbögen nicht so hoch, wie dies wünschenswert gewesen wäre (bei den Förderlehrkräften: 77 %, bei den Klassenlehrkräften 58 % aller Fälle). Dies entspricht zwar dem üblichen Rücklauf bei anonymisierten Erhebungen. Bei der Analyse der Rückläufe der Förderlehrkräfte wurde aber auch deutlich, dass dies vor allem an der Nichterfassung der im Schuljahr abgeschlossenen Fälle lag, z.B. die wegen Umzugs oder stationärer Unterbringung beendet wurden. Dies soll im nächsten Jahr verbessert werden.

 

 

D) Ausblick für das Schuljahr 2010/2011

1.   Entwicklung der rechtlichen Grundlagen

Auf Anweisung des Hessischen Kultusministeriums wird es im neuen Schuljahr eine Veränderungen in der Anwendung der bisher für die Dezentrale Erziehungshilfe in Hessen  geltenden schulrechtlichen Grundlagen geben. Die bisher praktizierte „Kooperative Förderung“ nach § 53 (3) des Hessischen Schulgesetzes soll im Bereich Erziehungshilfe nicht mehr möglich sein. Im Vorgriff auf eine entsprechende Regelung im neuen Hessischen Schulgesetz wird sich diese Förderform voraussichtlich nur noch auf die Erreichung eines Schulabschlusses für Förderschüler an allgemeinen Schulen beziehen. Nachteilig an der bisherigen statistischen Dokumentation der Kooperativen Förderung ist ebenso, dass die „Kooperative Förderung“ eine inklusive Beschulung am Förderort allgemeine Schule statistisch offensichtlich nicht abbildete, also Fallzahlen in der inklusiven Förderung fehlerhaft dargestellt wurden.

Daher soll im neuen Schuljahr unsere Förderarbeit auf der Basis der BFZ-Verordnung schulrechtlich als „ambulante Förderung“ organisiert, jedoch inhaltlich unverändert weitergeführt werden.

Im Übrigen müssen die konkreten Regelungen des neuen Hessischen Schulgesetzes und der neuen Sonderpädagogischen Verordnung (voraussichtlich ab Schuljahr 2011/2012) abgewartet werden.

 

2.   Personelle Situation

Nach ersten Planungen wird es im kommenden Schuljahr 2010/11 trotz gegenteiliger Zusagen eine empfindliche Stellenkürzung von etwa 20 % geben. Einzelheiten bleiben abzuwarten und sollen im nächsten Berichtszeitraum dokumentiert werden.

 

3.   Schülerzahlen

Im neuen Schuljahr 2010/2011 wird es aufgrund der Stellenkürzung das erste Mal eine Warteliste geben müssen. Trotz der hohen Zahl neuer Schüler, die durch die Aufhebung des sonderpädagogischen Förderbedarfs und des Abschlusses vieler „alter“ Fälle durch Aufnahme in stationäre Einrichtungen und in stationäre Förderschulen möglich war, können nicht alle neuen Fälle versorgt werden. Es muss eine Prioritätenliste mit Dringlichkeitskriterien erstellt werden. Unsere Prognose geht trotz der reduzierten Stellen von wieder etwa 120 Schüler/innen mit Bedarf an ambulanter Förderung oder im Gemeinsamen Unterricht aus.

 

4. Zusammenarbeit mit der neuen Institutsambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Kreis Offenbach

Die geplante Ambulanz der Kinder-und Jugendpsychiatrie rückt in greifbare Nähe, entsprechende Verträge wurden unterzeichnet. Die Eröffnung ist für den Mai 2011 geplant.

 

 Juli  2010, Edeltraud Ehlert, Förderschulrektorin, Schulleitung der DFE