Sonderpädagogisches Beratungs-und Förderzentrum

A) Strukturdaten

 

1. Allgemeines

Der Name unserer Schule wurde auf Initiative des Kreises Offenbach als zuständigem Schulträger zum 1.8.2012 den gesetzlichen Regelungen gemäß der neuen Sonderpädagogischen Verordnung angepasst. Unsere Schule heißt somit nicht mehr „Dezentrale Förderschule für Erziehungshilfe und Kranke“ sondern „Dezentrale Schule“ mit dem Zusatz „Förderschwerpunkte: emotionale und soziale Entwicklung sowie kranke Schülerinnen und Schüler“.

Die Abkürzung „DFE“ (für Dezentrale Schule mit den Förderschwerpunkten emotionale und soziale Entwicklung…) wurde beibehalten.

 

Auch mit dieser rein formalen Namensänderung wurde die Arbeit unserer Schule im neunten Jahr inhaltlich unverändert weitergeführt. Wie im Schulentwicklungsplan des Kreises Offenbach vorgesehen, arbeitet die Schule dezentral mit Schüler/innen je nach Bedarf grundsätzlich an allen Schulen im Kreisgebiet. Der im Jahr 2004 geschlossene Kooperationsvertrag zwischen dem Kreis Offenbach und dem Staatlichen Schulamt wird unverändert fortgesetzt.

 

Das Schuljahr 2012/2013 war stark geprägt von den Veränderungen im Hessischen Schulgesetz in Hinblick auf Inklusion und der neuen Sonderpädagogischen Verordnung, die ab 01.07.2012 in Kraft trat. Zum Thema Inklusion fanden zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen statt, interne als auch externe.

 

Das Beratungs- und Förderzentrum der Dezentralen Förderschule arbeitete weiterhin nachrangig, d.h. im Auftrag der regionalen Beratungs- und Förderzentren im Kreis Offenbach und übernahm vorbeugende Maßnahmen im Bereich der dezentralen Erziehungshilfe (Beratung, vorbeugende Förderung), als auch inklusive Beschulung, sowie noch laufende Fördermaßnahmen im gemeinsamen Unterricht (GU) in unseren Förderschwerpunkten für das gesamte Kreisgebiet.

 

Die Arbeit im Lernstern, Schule in der Vitos-Tagesklinik Dietzenbach, wurde fortgeführt. Die Zusammenarbeit mit der Vitos-Klinik, kinder- und jugendpsychiatrische Institutsambulanz und Tagesklinik in Dietzenbach, wurde sehr erfolgreich fortgesetzt.

 

Neu hinzu kam das Projekt „NEUSTART“, ein Kooperationsprojekt mit der Aktionsgemeinschaft Soziale Arbeit (AGS e.V.), die im Auftrag des Fachdienstes Jugend und Soziales des Kreises Offenbach eine Tagesgruppe zur Förderung von schulabsenten Jugendlichen gründete. Die Dezentrale Schule übernahm die Beschulung der Jugendlichen. Das Projekt wurde durch zwei Lehrkräfte unserer Schule ab 1.2.13 vorbereitet, vorwiegend in Einzelunterricht für schulabsente Jugendliche und mit konzeptionellen Überlegungen. Ab Mai 2013 startete eine Gruppe mit vier Schülern in Kooperation mit der AGS.

 

 

 

2. Arbeitsbereiche der DFE

Die Veränderungen der Vorjahre durch das Inkrafttreten des neuen Schulgesetzes und die Umsetzung der neuen Sonderpädagogischen Verordnung wurden in unsere Förderarbeit umgesetzt und weiterentwickelt. Wie bereits den Vorjahren boten wir in einem gestuften Verfahren folgende Unterstützungsmöglichkeiten an:

 

a)          Beratung

Die allgemeine Beratung hinsichtlich der emotionalen und sozialen Entwicklung von Schüler/innen übernehmen die regionalen Beratungszentren im Kreis Offenbach. In Absprache mit diesen werden wir bei besonders schwierigen oder komplexen Fragestellungen mit der Beratung von Schulen und Eltern beauftragt. Im Berichtsjahr arbeiteten 7 Kollegen und Kolleginnen mit unterschiedlichem Stellenumfang in der Beratung. Das Beratungsteam traf sich im 4-wöchigen Turnus.

Inhaltliche Schwerpunkte neben der individuellen Fallarbeit waren:

  • Auswirkung des neuen HSchG auf den präventiven Bereich Beratung (z.B. Erweiterung des Beratungsauftrags hinsichtlich der Vorbereitung eines Förderausschusses)
  • Beratung in Fällen von Kindern mit seelischer Erkrankung, die von regionalen Beratungszentren an uns weitergeleitet wurden, die im Lernstern beschult wurden oder über die Ambulanz der Vitosklinik an uns verwiesen wurden
  • Verbesserung der Zusammenarbeit mit den regionalen Beratungs- und Förderzentren: Jedem regionalen BFZ wurde eine Lehrkraft aus dem Beratungsteam zugeordnet, die als Ansprechpartner regelmäßig an den Konferenzen der regionalen BFZs teilnimmt
  • Überarbeitung der Zugangsformulare, Vereinheitlichung der Dokumentation und des formalen Beratungsprozesses.

 

b)          vorbeugende Förderung

Im Bereich der vorbeugenden Förderung versuchten wir, die Beratung von der Förderung deutlicher zu trennen, um beiden Ansätzen ein klareres fachliches Profil zu ermöglichen und Doppelstrukturen zu vermeiden. Im Bereich der vorbeugenden Förderung stehen systembezogene Unterstützungsangebote im Rahmen der unterschiedlichen Bedarfe an den allgemeinen Schulen im Mittelpunkt unserer Arbeit. Hier werden vielfältige Methoden und Angebote gesetzt, die sich prinzipiell immer an alle Schüler/innen, Lehrkräfte oder Eltern einer Schule richten, nicht nur an umschriebene Risikogruppen. Bewährte Angebote sind z.B.:

·        Kleingruppenangebote für Schüler/innen, z.B. Psychomotorik-AG, Marburger-Konzentrationstraining, Spiel- und Sportgruppe, Jungengruppe, Mädchengruppe, Insel-Gruppe (in Kooperation mit der Jugendhilfe) etc.

·        Soziales Lernen, vorzugsweise als Doppelbesetzung in Anfangs-Klassen (1. Klassen, 5. Klassen), Einsatz entsprechender Methoden und Programme, z.B.  Faustlos, Interaktionstraining, Klassenrat, Mitgestaltung der Klassenlehrerstunde, für die gesamte Schulgemeinde: Streitschlichter-AG oder Schülerrat aller Klassensprecher/innen,

·        Kollegiale Beratung: vorzugsweise in Gruppen für Lehrkräfte der eigenen oder einer anderen Schule, möglichst immer gut strukturiert und nach Möglichkeit nicht als „Tür- und Angel-Gespräche“ angelegt,

·        ETEP-Fortbildung (entwicklungstherapeutischer/entwicklungspädagogischer Unterricht) für Kollegien und Lehrkräfte durch eine Lehrkraft unserer Schule, die als ETEP-Trainerin ausgebildet ist,

·        Angebote für Eltern: Elternabende, besondere Themenabende; besonders wirkungsvoll ist das Elterncafé für eine Gruppe türkisch-sprachiger Mütter mit einer türkischsprachigen Lehrkraft unserer Schule;

·        Vernetzung und Zusammenarbeit mit internen und externen Helfern (z.B. Schulsozialarbeit, Jugendhilfe, Ärzte/Fachärzte, Therapeuten/innen, Beratungsstellen im schulischen und außerschulischen Bereich), Organisation und Durchführung von Runden Tischen etc.

 

An folgenden 11 Schulen wurden schulbezogene präventive Förderung im Rahmen dezentraler Erziehungshilfe (früher: „Kleinklasse für Erziehungshilfe“ – neuer Begriff: vorbeugende Maßnahmen)  angeboten:

–        Gartenstadtschule, Rodgau

–        Johannes-Gutenberg-Schule, Hainburg

–        Aueschule, Dietzenbach

–        Sterntalerschule, Dietzenbach

–        Erich-Kästner-Schule, Dreieich-Sprendlingen

–        Gerhart-Hauptmann-Schule, Dreieich

–        Albert-Schweitzer-Schule, Langen

–        Joseph-von-Eichendorff-Schule, Obertshausen

–        Sonnenblumenschule, Langen

–        Brüder-Grimm-Schule, Mühlheim

–        Hermann-Hesse-Schule, Obertshausen

Mit diesen präventiven Angeboten erreichten wir an 11 Standorten jeweils durchschnittlich ca. 40  Schüler/innen wöchentlich, insgesamt etwa 440 Schülerinnen und Schüler.

  

c)          inklusive Beschulung (und GU)

Im zahlenmäßig größten Bereich unserer Arbeit förderten wir insgesamt  über das gesamte Schuljahr hinweg etwa 111 Kinder und Jugendliche, darunter 11 „Altfälle“ im Gemeinsamen Unterricht.

Hier entwickelten wir unser Konzept der flexiblen passgenauen Förderung weiter, d.h. je nach Ausgangslage und Fallverlauf gestalten wir den Stundenaufwand und die Fördermethoden. Das kann bedeuten, dass wir in einem Krisenfall nach pädagogischer Absprache unter allen Beteiligten zunächst mit 10 Unterrichtsstunden beginnen, in denen das Kind meist nur in Begleitung der Förderlehrkraft zur Schule gehen darf („Bodyguard“-Regelung). Bei einem positiven Verlauf wird die Anwesenheitszeit des Kindes in der Schule ausgebaut, die Unterstützungsstunden jedoch sukzessive verringert. Bei anhaltendem Erfolg der Förderung können die Stunden bis zu einer „Standby“-Regelung abgebaut werden, der Kontakt kann deutlich reduziert oder sogar nur auf Abruf gestaltet werden. So können wir auch im laufenden Schuljahr aus bestehenden Förderungen uns langsam zurückziehen, bzw. in Krisenfälle bei dringendem Bedarf neu einsteigen. Dieses Konzept erfordert beständige Evaluation und Anpassung an den jeweiligen Bedarf des Schülers und seiner Lerngruppe. Es kann jedoch auch sein, dass ein Kind relativ kontinuierliche sonderpädagogische Unterstützung braucht, da der Fallverlauf sich nicht wesentlich verändert (z.B. bei autistischen Störungsbildern). Unsere  Fördermethoden setzen wir nach Fallanalyse zielgerichtet ein, nicht immer sind wir (nur) in der Klasse, sondern entwickeln spezielle Fördersettings (z.B. kollegiale Beratung, intensive Elternberatung, Vernetzung etc.).

Wesentlich ist das Prinzip der Fallverantwortlichkeit (eine Lehrkraft unserer Schule ist zentraler Ansprechpartner für alle sonderpädagogischen Belange des zu fördernden Kindes) und der konzeptionelle Ansatz des Fallverstehens, das in den Fallbesprechungen und Supervisionen entwickelt wird.

 

d)          Lernstern – Schule in der Tagesklinik

Im Lernstern, unserer Schule für Kranke in der kinderpsychiatrischen Tagesklinik Dietzenbach, wurden in diesem Schuljahr insgesamt 31 Schülerinnen und Schüler (zeitgleich jeweils 12-13) mit einer Verweildauer von durchschnittlich 4-5 Monaten aus Kreis und Stadt Offenbach beschult, für die eine Behandlung in der Tagesklinik notwendig war und die von daher ihre Regelschule auf Zeit nicht besuchen konnten.

Die seelische Beeinträchtigung dieser Schülerinnen und Schüler zeigte sich durchgängig auch in Problemen im Erlebnisraum Schule, z. B. in ihrer Lern- und Lebensfreude, Kontakt-, Beziehungsfähigkeit und ihren Möglichkeiten, sich an Regeln zu halten, um den Anforderungen eines Schulalltages entsprechen zu können.

 

 

Der Unterricht in der Tagesklinikschule trägt wesentlich zur Förderung der seelischen Gesundung bei, indem die individuellen Lernbedürfnisse und Möglichkeiten berücksichtigt werden und sich die Schülerinnen und Schüler über leistbare Anforderungen auf der Grundlage von Angstfreiheit, Zugehörigkeit und Beziehung als erfolgreich erleben können. Gruppenfähigkeit und soziales Lernen stehen immer im Fokus der Förderung.

Mit Methoden der inneren Differenzierung wurde in unterschiedlichen Gruppengrößen i.d.R. 22 Wochenstunden unterrichtet. Drei Lehrkräfte waren jeweils vor Ort (zwei Bezugslehrkräfte und eine Förderlehrkraft für Differenzierung). Unterricht fand statt in den Kernfächern, Musik, Kunst, Sport sowie Arbeitsgruppen, die individuelle Interessen der Schülerinnen und Schüler aufgriffen und damit zusätzliche Förderangebote darstellten.

 

Eine intensive Zusammenarbeit mit der Klinik vor Ort ist im Lernstern Tagesgeschäft und fand in täglichen Übergaben, in Therapiekonferenzen (pro Schüler alle sechs Wochen), in wöchentlichen Schule- Klinikbesprechungen und außerordentlichen Fallbesprechungen statt. Durch die Möglichkeit der Teilnahme von Schulleitung an der Visite konnte wichtige Transparenz für Entscheidungen der Klinik geschaffen werden.

Die Eltern wurden hinsichtlich der Schullaufbahn ihres Kindes in regelmäßig stattfindenden Entwicklungsgesprächen immer intensiv beraten.

Schon mit Beginn der Förderung der kranken Schülerinnen und Schüler im Lernstern wurde sichergestellt, dass die Stammschulen ausführlich informiert, miteinbezogen und beraten werden.

Die fünf Lernstern-Schüler und Schülerinnen aus Offenbach wurden von der Erziehungshilfeabteilung der Ludwig-Dern-Schule in ihre Stammschulen zurückbegleitet. Die Kollegen der Ludwig-Dern-Schule wurden deshalb immer beratend frühzeitig in die Förderung der Schüler- und Schülerinnen vor Ort einbezogen.

Es wurde zusammen mit der Klinik an den stattfindenden Hilfeplangesprächen teilgenommen und bei Bedarf Kindeswohlgefährdungen gemeldet.

Der Austausch mit den Schulpsychologen fand hinsichtlich der Beratung über wohnortnahe, alternative Beschulungsmöglichkeiten statt, wenn zum Beispiel für die Schülerinnen und Schüler ein schulischer Neuanfang nötig war. Auch die Meldung von Kindeswohlgefährdung wurde in Absprache und Beratung mit dem zuständigen Schulpsychologen durchgeführt.

 

Die erfolgreiche Rückführung in eine Stammschule war immer Ziel der Förderarbeit in der Lernsternschule. Gemeinsam mit allen Beteiligten (Schüler/in, Eltern, Lehrkräften der Stammschulen, Therapeut/innen, Facharzt/innen usw…) wurde vor Ort vorzeitig ein passgenaues Förderkonzept und die Möglichkeiten/Bedingungen für Rückführung erarbeitet. Die Rückführung aus dem Lernstern in den Kreis Offenbach wurde von der Dezentralen Schule entweder als beratende oder inklusive Begleitung der Schulen durchgeführt.

 

Drei Schüler mussten den Aufenthalt im Lernstern vorzeitig beenden, da sie in die vollstationäre kinder- und jugendpsychiatrische Klinik nach Riedstadt überwiesen wurden. 

 

Im Lernstern wurden über die Nähe zur Vitos-Ambulanz und in guter Zusammenarbeit mit dieser (gemeinsame Fall- und Diagnosebesprechungen) die Beratungsfälle seelisch kranker Schülerinnen und Schüler an Regel- und Förderschulen von einer Lehrkraft koordiniert und verwaltet. Eine kontinuierlich wachsende gegenseitige Professionalisierung, die aus der intensiven Zusammenarbeit des Lernsterns  mit dem Gesundheitssystem entstand, kam über die Dezentrale Schule den Regelschulen und regionalen Beratungszentren zugute.

In regelmäßigen Arbeitstreffen mit dem Autismus-Zentrum in Langen konnte ein Verständnis für die Belange und Möglichkeiten autistischer Schülerinnen und Schüler vertieft werden.

Durch die Teilnahme der Lernstern-Lehrer/innen an dem Arbeitsvorhaben Seelische Gesundung und dem dort in Zusammenarbeit mit der Klinik und dem Autismus-Zentrum entstandenen Fortbildungsmaterial für Regelschulen im Umgang mit kranken Schülerinnen und Schüler (z.B. Flyer und Fortbildungen: Autismus und ADHS) konnte ein wesentlicher Kompetenztransfer in den Schulen des Kreises Offenbach gelingen.

 

Unser Ansatz der in der Region verankerten sonderpädagogischen Förderung für seelisch kranke Schüler/innen sorgte für bundesweites Interesse z.B. bei SCHUPS (Kongress für Schule und Psychiatrie), und dem Projekt „Schule bei Krankheit“ der Universität Potsdam.

Folgende Aspekte sorgten für besondere Anerkennung der Möglichkeiten einer Schule für Kranke:

–      Flexible, passgenaue Förderung

–      Sicherung von fachlichem Austausch, Fallreflexion, Fortbildung und Supervision

–      Prinzip der gemeinsamen Verantwortung/intensive Vernetzung im Sozialraum

–      Ressourcenbereitstellung für eine passgenaue Rückführung

–      Vorzeitige, gemeinsame Entwicklung von Förderkonzepten für Rückführung

Zudem erwies sich der Lernstern als Praxisstelle für Sozialpädagoginnen im Anerkennungsjahr als sehr geeignet.

 

e) Projekt Neustart

Im Mai 2013 begann die Arbeit im Projekt Neustart, einem Kooperationsprojekt zwischen Jugendhilfe (Aktionsgemeinschaft Soziale Arbeit, AGS e.V.) und Dezentraler Schule. Zielgruppe sind schulabsente Schüler zwischen 12 und 16 Jahren, die aufgrund großer persönlicher Probleme und biografischer Belastungen nicht in allgemeine Schulen gehen können. Zunächst wurden Schüler einzeln von Lehrkräften der DFE unterrichtet, da die Räume im Haus des Ehrenamts noch nicht bezugsfertig waren. In den ersten Monaten stand die Konzeptionsentwicklung und praktische Umsetzung sowie die Gewinnung der Teilnehmer im Vordergrund der Arbeit.

 

 

3. Schülerzahlen

Die diesjährige Statistik für die von uns intensiv begleiteten Schüler/innen wurde zum sechsten Mal mit der Lehrer- und Schüler-Datenbank (LUSD) erstellt. Die Schülerzahlen der Lernstern- Schule in der Vitos-Tagesklinik Dietzenbach werden vom hessischen Sozialministerium erhoben.

 

Schüler/innen der Dezentralen Förderschule, Stichtag 01.11.2012

 

„aktive“ Schüler/innen in Einzelunterricht

12

externe Schüler/innen in inklusiver Beschulung

88

Maßnahmen im gemeinsamen Unterricht

11

präventive Unterstützung und Beratung, ca.

412

2 Klassen in der Tagesklinikschule Lernstern

12

Gesamtzahl der geförderten Schüler/innen

535

 

Am Ende des Schuljahres konnte bei 9 Schülern der sonderpädagogische Förderbedarf aufgehoben werden, 4 Schüler machten einen Schulabschluss, 4 Schüler wurden in Jugendhilfe-Einrichtungen untergebracht, 5 Schüler wechselten auf Elternwunsch an eine stationäre Förderschule für Erziehungshilfe, 1 Schüler zog mit seinen Familien um.

Der Anteil der Jungen an der Gesamtzahl aller in iB und GU geförderten Schüler ist nach wie vor extrem hoch (ca. 88 %). Die Schüler/innen verteilen sich relativ gleichmäßig auf Grundschule und Sekundarstufen.

 

4. Personelle Ressourcen

Im Schuljahr 2012/2013 vergrößerte sich das Kollegium auf insgesamt 41 Mitarbeiter/innen, die etwa 28 Stellen besetzten. Die Zahl der Jugendhilfe-Mitarbeiter/innen des Kreises Offenbach blieb mit 4 Kollegen/innen auf 3 Stellen konstant.

 

Gesamtzahl Lehrerstellen (Vollzeit)

28

Gesamtzahl Stellen Jugendhilfe/Kreis Offenbach (Vollzeit)

3

Gesamtzahl Stellen (Vollzeit)

31

verteilt auf:

 

Förderschullehrer/innen

14

Sozialpädagogen/innen

19

andere Ausbildungen (Kunsttherapeuten, Lehrkräfte an allg.Schulen etc.)

8

Lehrkräfte und päd. Mitarbeiter/innen insgesamt (in Voll-/Teilzeit)

41

 

5. Räumliche und sächliche Ressourcen

Im Kreishaus standen wie bisher zwei voll ausgestattete Büroräume für die Verwaltungskraft und die Schulleitung zur Verfügung, ebenso ein Arbeitszimmer für Lehrkräfte und ein fester Besprechungsraum in direkter räumlicher Nähe zum Schulleitungsbüro.

Weitere zwei Büros nutzen die Mitarbeiter/innen der Jugendhilfe des Kreises Offenbach. Für Konferenzen konnte die DFE weiterhin auf Konferenz- und Besprechungsräume, die bei Bedarf gebucht werden, sowie auf den kreishausinternen Service (IT, Hausmeister, Reinigungskräfte) zurückgreifen.

Die eigentliche Förderarbeit mit den Schüler/innen, Eltern oder die kollegiale Beratung mit Lehrkräften fand in den  Räumlichkeiten der kooperierenden Regelschulen statt. Für Einzelarbeit oder Gespräche sind diese nicht immer optimal eingerichtet. Zum Teil konnte auf Räume in Förderschulen zurückgegriffen werden.

 

Der Fachdienst Schulservice stellte ein Budget für Sachmittel für die laufende Arbeit zur Verfügung, ebenso konnte das Kleine Budget des Landes Hessen für Fortbildung, Vertretungsunterricht, Lehr- und Lernmittel sowie pädagogischen IT-Support eingesetzt werden. Unser Widerspruch gegen die Kürzung des Kleinen Budgets war sehr erfolgreich. Insbesondere wurden Fortbildungen und Supervisionen daraus finanziert, zum geringen Teil Lehrmittel für die neue Abteilung Neustart.

 

6. Kooperationsschulen

Die DFE arbeitete im Berichtszeitraum mit 38 Kooperationsschulen zusammen. Somit war die DFE im Berichtszeitraum in etwa 50 % aller Grund- und Sekundarstufe I-Schulen (insgesamt 73) im Kreis OF präsent. Die Kooperationsschulen verteilten sich recht gleichmäßig auf das Kreisgebiet.

 

 

B) Prozessdaten 

 

1.  Besprechungs- und Reflexionsstrukturen

Es wurden vier regionale Teams gebildet: Team Ost, Team Rodgau, Team Dietzenbach, Team West, die sich regelmäßig wöchentlich zu Dienstbesprechung, Fallreflexion und Planung der pädagogischen Arbeit trafen. Externe Supervision hatte jedes Team an acht Terminen pro Schuljahr. Hier nahmen alle Förderlehrkräfte der verschiedenen Arbeitsbereiche teil.

Das Präventionsteam traf sich einmal pro Monat, das Beratungsteam ebenso. Gesamtkonferenzen fanden ebenfalls einmal monatlich statt. Das Lernstern-Team traf sich einmal wöchentlich, hier fanden aufgrund der Schwere der Fälle 12 Supervisionen im Jahr statt.

 

2.  Schulprogrammarbeit

Die Umsetzung der neuen Sonderpädagogischen Verordnung stand im Mittelpunkt der inhaltlichen Arbeit. In der Weiterentwicklung der Schulprogrammarbeit wurden wir von der Schulentwicklungsberatung des Schulamts Offenbach, Frau Dennhof, unterstützt. An einem pädagogischen Tag (27.6.2013) wurden die Ergebnisse der Arbeitsvorhaben vorgestellt.

Es wurde an folgenden Arbeitsvorhaben im Schuljahr 2012/13 gearbeitet:

–        Veranstaltungsreihe „Inklusion im Dialog“

–        Konzeption für die DFE

–        Seelische Gesundung

Am Pädagogischen Tag wurde die Konzeption der Dezentralen Schule sowie das Präventionskonzept vorgestellt und verabschiedet.

 

3. Die Arbeit der Koordinierungsstelle

Die Koordinierungsstelle (KOST) zwischen Kreis Offenbach und Staatlichem Schulamt OF passte ihre Arbeit der aktuellen Aufgabenstellung der DFE an. Im Zentrum standen der Informationsaustausch und grundsätzliche konzeptionelle Überlegungen zur Inklusion, ebenso die veränderten Anforderungen in der Jugendhilfe. Die KOST tagte im laufenden Schuljahr zweimal.

 

4. Vernetzung und Kooperation

Im Berichtsjahr fanden zahlreiche intensive Fortbildungen und hessenweite Konferenzen zur Auseinandersetzung mit dem neuen Schulgesetz und den neuen Bestimmungen zur Inklusion statt.

Die AG Sonderpädagogik und Schulpsychologischer Dienst in Stadt und Kreis Offenbach tagte zweimal und arbeitete am Ablauf bei Verfahren zu vorläufigem Ruhen der Schulpflicht (§ 65 HSchG).


 

C) Ergebnisdaten

 

Im Bereich der Evaluation der Förderangebote wurden der Bereich Beratung und der Bereich inklusive Beschulung evaluiert.

 

1.           Evaluation der Beratungsangebote:

Es wurden 120 Evaluationsbögen verschickt. Der Rücklauf der anonymisierten Fragebögen betrug 58% (N=70 von 120).

 

 

Beratungsprozess

Umfang

Rahmenbedingungen

Zugang

völlig zufrieden

37

28

35

35

oft zufrieden

19

11

21

19

geht so

8

18

6

8

eher schlecht

1

6

2

3

unzufrieden

2

5

5

4

völlig unzufrieden

3

2

1

1

N

70

70

70

70

 

Gefragt wurde nach der Zufriedenheit der beratenen Lehrkräfte hinsichtlich des Beratungsprozesses, des Umfangs der Beratung, der Rahmenbedingungen und des Zugangs.

Die  Ergebnisse können den Diagrammen im Anhang entnommen werden.

Der Beratungsprozess (90 %)  und die Rahmenbedingungen (81%) werden größtenteils als  zufriedenstellend erlebt.  Mit dem Umfang der Beratung sind 88 %  und mit dem  Zugang  zur Beratung  88 % „völlig oder oft zufrieden“.

 

Daten aus SJ 2012/13

 

Im Vergleich zu der Evaluation des Jahres 2011/12 kann man erkennen, dass

der Umfang der Beratung, die Rahmenbedingungen und der Zugang zur Beratung

insgesamt positiver beurteilt wurde als im Vorjahr.

 

Daten aus SJ 2011/12

 

2.           Evaluation der inklusiven Beschulung sowie der Altfälle GU

Die laufenden und abgeschlossenen Einzel-Fördermaßnahmen im Rahmen der inklusiven Beschulung und des gemeinsamen Unterrichts wurden unter folgenden Fragestellungen evaluiert:  

 

Wie hoch ist die Zufriedenheit der Lehrkräfte der DFE in Bezug auf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

völlig zufrieden

oft zufrieden

geht so

eher schlecht

unzufrieden

völlig unzufrieden

Fortschritte des/r Schülers/in im emotionalen und sozialen Bereich

25 %

45 %

15 %

7 %

8 %

0 %

Zusammenarbeit mit Regelschulen und Lehrkräften

49 %

30 %

17%

3 %

1 %

0 %

Rahmenbedingungen der Arbeit

33 %

51 %

14 %

1 %

1 %

0 %

 

 

 

Wie hoch ist die Zufriedenheit der kooperierenden Klassenlehrkräfte der Regelschulen in Bezug auf

 

völlig zufrieden

oft zufrieden

geht so

eher schlecht

unzufrieden

völlig unzufrieden

Fortschritte des/r Schülers/in im emotionalen und sozialen Bereich

17%

38%

25%

13%

6%

0%

Zusammenarbeit mit Förderlehrkräften der DFE

77%

21%

2%

0%

0%

0%

Rahmenbedingungen der Arbeit

12%

33%

33%

14%

8%

2%

 

Der Rücklauf der anonymisierten Fragebögen betrug bei den DFE-Förderlehrkräften 86 % (N=91 von 105), bei den Klassenlehrkräften 47 % (N=52 von 111).

 

Viele Lehrkräfte nutzten die neu gestalteten Evaluationsformulare mit der Möglichkeit zu einer ausführlichen verbalen Rückmeldung.

Häufig wurde die Zufriedenheit der Regelschullehrkräfte mit den Lehrkräften der DFE geäußert, ebenso persönliches, überwiegend positives  Feedback. Wie bereits in den Vorjahren wurden die Zusammenarbeit mit konkreten Personen und individuelle Fallverläufe sehr wertschätzend und mit Dank zurückgemeldet. Als Kritik wurden weiterhin vor allem mangelnde zeitliche Ressourcen insbesondere von den Klassenlehrkräften benannt.

 

Besonders hervorgehoben werden kann somit die anhaltend und übereinstimmend hohe positive Beurteilung der Entwicklung der Schüler/innen im emotionalen und sozialen Bereich. Die Förderlehrkräfte beurteilen zu 75 % die Fortschritte ihrer Schüler als insgesamt sehr gut bis befriedigend, die Klassenlehrkräfte sehen diese Entwicklungen zu 83 % im positiven Bereich.

Wie im Vorjahr war bei der Auswertung der einzelnen Bögen interessant, dass bei einer Unzufriedenheit über die Entwicklung der Schüler/innen die Zufriedenheit in der Kooperation zwischen Förder- und Klassenlehrkräften dennoch sehr hoch war. Offensichtlich lassen sich negative Fallverläufe in einer guten Kooperation besser aushalten und miteinander tragen.

 

Die Zusammenarbeit der beiden Berufsgruppen vor Ort wird aus Sicht der Förderlehrkräfte mit 96 % als sehr gut bis befriedigend bewertet, die Sicht der Klassenlehrkräfte entspricht dieser Einschätzung von 99 % ebenfalls mit sehr guten bis befriedigenden Rückmeldungen.

 

Trotz der in öffentlichen Diskussionen zuweilen als nicht ausreichend dargestellten Fördersituation beurteilen sowohl die Förderlehrkräfte der DFE als auch die Klassenlehrkräfte zu 98 %, bzw. zu 90 % die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit als sehr gut bis befriedigend.

 

3) Evaluation der Arbeit im Lernstern – Schule in der Tagesklinik

Im diesem Schuljahr wurden 46 Schülerinnen und Schüler mit einer durchschnittlichen Verweildauer von vier Monaten bei uns unterrichtet. 27 Schülerinnen und Schüler wurden von uns und 8 von der Erziehungshilfeabteilung der Ludwig-Dern-Schule in ihre Stammschulen zurückgeführt oder in neue Regelschulen begleitet. Acht Schüler wurden in Förderschulen begleitet. Drei Schüler mussten in die vollstationäre psychiatrische Klinik.

Von den 27 Schüler und Schülerinnen, die von uns begleitet wurden, ging die Rückführung bei elf in inklusive Förderung über.

 

D) Ausblick für das Schuljahr 2013/2014

 

1.   Entwicklung der rechtlichen Grundlagen

Nach dem ersten Jahr der pädagogischen Arbeit mit der neuen VOSB verspricht das zweite Jahr „danach“ routinierter abzulaufen. Es wird mehr Sicherheit im Hinblick auf die Abläufe der Förderausschüsse geben. Die bewährten Strukturen der Zusammenarbeit mit den allgemeinen Schulen und den regionalen BFZ und der DFE garantieren hier eine gute Verlässlichkeit und Kontinuität.

 

2.   Personelle Situation

Nach ersten Planungen wird es im kommenden Schuljahr 2013/2014 einige Stellenkürzungen geben. Gleichzeitig werden die Aufgaben der DFE durch das Projekt Neustart erweitert, was die Stellenkürzungen aber nicht auffangen wird. Die geringeren Ressourcen müssen vermutlich vor allem im präventiven Bereich umgesetzt werden.

 

3.   Schülerzahlen

Im neuen Schuljahr 2013/14 rechnen wir mit Wartelisten bei inklusiver Beschulung. Unsere Prognose geht wieder von etwa 120 Schüler/innen in intensiver Beschulung (iB) aus.

 

Die vorbeugenden Maßnahmen mit Beratung und vorbeugender Förderung sollen konzeptionell weiter entwickelt, allerdings mit den zur Verfügung stehenden reduzierten personellen Ressourcen möglichst sinnvoll gestaltet werden.

 

Die zwölf Plätze des Lernstern, Schule in der Tagesklinik, waren seit Mai 2011 stets voll belegt, z.T. mit einem Platz überbelegt. Der Unterricht und insbesondere die Rückführung der seelisch kranken Kinder in die allgemeinen Schulen wird eine besondere Herausforderung bleiben.

 

Daneben wird die Arbeit im Projekt Neustart eine besondere Herausforderung werden, sowohl im Bereich der Arbeit mit den besonderen Schülern, als auch in der Zusammenarbeit zwischen Dezentraler Schule und AGS e.V.

 

 

 

 

 

Juli 2013, Edeltraud Ehlert, Förderschulrektorin, Schulleitung der DFE